STUDENTISCHER AUFSATZWETTBEWERB DER STIFTUNG DER HESSISCHEN RECHTSANWALTSCHAFT
THEMA: „JURISTENAUSBILDUNG – EINFLUSS VON BOLOGNA“


Preisgeld: € 5.000,00*


Über Diskussionen zur Reform der Juristenausbildung wird gemeinhin gesagt, dass diese so alt 
seien wie die Juristenausbildung selbst. Für den hiesigen Aufsatzwettbewerb ruft die Stiftung der
Hessischen Rechtsanwaltschaft alle an hessischen Universitäten eingeschriebenen
Jurastudentinnen und Jurastudenten auf, Beiträge zu einem höchst aktuellen Aspekt dieser
klassischen Diskussion einzureichen: Dem Einfluss des sog. Bologna-Prozesses auf die
Juristenausbildung in Deutschland.

War Bologna früher besonders als Gründungsort der ersten westeuropäischen Universität bekannt,
so gilt der Name der Hauptstadt der Emilia-Romagna heute für viele deutsche Politiker und Jura Professoren
als Inbegriff der Gefährdung des rechtswissenschaftlichen Studiums.

Seit der Gemeinsamen Erklärung der Europäischen Bildungsminister vom 19. Juni 1999 steht Bologna für
den gleichnamigen Prozess, der mittels der Verbesserung der Mobilität von Lehrenden und
Lernenden zu einem Europäischen Hochschulraum führen soll. Wie in der Erklärung vorgesehen,
wurden in den letzten zehn Jahren für die meisten Studiengänge an deutschen Hochschulen mit
Bachelor und Master europaweit leicht verständliche und vergleichbare Abschlüsse eingeführt.
In der Realität des rechtswissenschaftlichen Studiums sucht man Bachelor und Master zumeist
noch vergeblich. Gleichwohl haben die bildungspolitischen Diskussionen in den letzten Jahren
auch die Juristenausbildung in den deutschen Rechtsfakultäten in den Blick genommen. Der
anfänglich bestehende Konsens, am status quo der Juristenausbildung festhalten zu wollen, ist
infolgedessen nach und nach zerbröckelt. Heute wird – oft polemisierend – über Sinn und Unsinn,
Gefahren und Chancen des Bologna-Prozesses für die deutsche Juristenausbildung vorgetragen
und gestritten. Während die einen an der kulturellen Errungenschaft des juristischen
Staatsexamens festhalten wollen, befürworten andere die weitreichendste Reform der deutschen
Juristenausbildung. Dabei besteht unter den Befürwortern Uneinigkeit über die Details: Bis zum
jetzigen Zeitpunkt wurden nicht weniger als acht verschiedene Ausbildungsmodelle vorgeschlagen.
Das Thema dieses Aufsatzwettbewerbs wirft demnach eine Menge grundsätzlicher Fragen auf,
von denen die eingereichten Wettbewerbsbeiträge einen einzelnen oder auch mehrere kritisch
untersuchen und konstruktiv weiterführen sollen. Dabei sind Anknüpfungen an historische und
aktuelle Diskussionen und Arbeiten rund um die Juristenausbildung und Universitätsbildung und
deren Grundlagen erwünscht. Einige mögliche Fragestellungen könnten lauten:

• Bereits bestehender Einfluss? Besteht denn bereits Einfluss von Bologna auf die deutsche
Juristenausbildung und/oder auf die hochschulpolitische Diskussion?
•‚Ob‘ und ‚Wie‘ des Einflusses? Sollte Bologna überhaupt Einfluss auf die deutsche
Juristenausbildung haben? Wie sollte ein etwaiger Einfluss aussehen? Wie konkret umgesetzt
werden? Sind die vorgeschlagenen Modelle zur Erreichung ihrer Zwecke tauglich?
• Chance und Risiken von Bologna? Sind die Gefahren des Bologna-Prozesses, die viele
Rechtsprofessoren betonen, begründet? Was sind Vorzüge und Nachteile der gegenwärtigen
Ausbildung? Worin bestehen die Chancen einer Bologna-Reform der Juristenausbildung?
• Bologna und Anforderungen der juristischen Berufswelt? Welche Bedeutung haben die juristischen
Berufe in den Reformdiskussionen? Welche Berufsaussichten bestehen für Bachelor-Juristen?
Welche Rolle sollte eine praktische Ausbildung (Referendariat) spielen?
• Staatsexamen als kulturelle Errungenschaft? Ist das juristische Staatsexamen eine kulturelle
Errungenschaft? Welchen Sinn hat diese, von Befürworten eingeführte Bezeichnung für die
Diskussion? Welche Folge hätte die vollständige Umsetzung des Bologna-Prozesses, wenn man
eine kulturelle Errungenschaft annähme? Könnte bzw. dürfte die Europäischen Gemeinschaft den
Bologna-Prozess dann noch verfolgen?

• Bolognas Universitätsidee und Juristenausbildung? Lassen sich Leitideen einer Juristenausbildung
nach der Bologna-Erklärung identifizieren? Ist die für deutsche Universitäten noch immer vielzitierte
Universitätsidee Wilhelm von Humboldts für die heutigen juristischen Fakultäten noch zeitgemäß?
Kann sie in einer dem Bologna-Prozess folgenden Juristenausbildung noch eine Rolle spielen? Wie
könnte eine Juristenausbildung aussehen, die beiden Ideen folgt?

Die Beiträge sind bis spätestens zum 9. Oktober 2009 per Email an Herrn Prof. Dr. Joachim Zekoll,
LL.M. (Email-Adresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! ) oder
per Post an
Herrn Professor Zekoll
Goethe-Universität, Fachbereich Rechtswissenschaft
Grüneburgplatz 1
60323 Frankfurt am Main einzureichen.

Die Beitragstexte dürfen nicht mehr als 50 mit fortlaufender Nummerierung versehene, einseitig mit einheitlicher Schriftart (Times New Roman, 1,5-facher Zeilenabstand, Schriftgröße 12) beschriebene Seiten aufweisen. Links sind 5 cm Rand zu lassen.
Dem jeweiligen Beitragstext ist ein Deckblatt – welches die Autorin oder den Autor erkennen lässt –, ein Inhaltsverzeichnis und ein Literaturverzeichnis voranzustellen, wobei Deckblatt und beide Verzeichnisse nicht zum Seitenumfang der Beitragstexte zählen.

*Die Stiftung der Hessischen Rechtsanwaltschaft behält sich vor, nach ihrem Ermessen auch
mehrere Beiträge auszuzeichnen und das ausgelobte Preisgeld zu erhöhen.


pdfAusschreibungsunterlagen

pdfBericht von der Preisverleihung

Bologna-Cover

Buchveröffentlichung des siegreichen Beitrags, erschienen im Optimus Verlag

 

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